Vignobles & Découvertes ist ein nationales französisches Qualitätssicherungslabel, das 2009 gegründet wurde um den Oenotourismus als Komplett-Paket mit Unterkunft, Tagesprogramm, Museumsbesuch, Freizeitaktivität, Winzerbesuche, kulinarische Workshops, u.v.m., anzubieten. Es unterliegt der Verwaltung des Ministeriums für Tourismus. Das leicht erkennbare Emblem Vignobles & Découvertes wird touristischen Betrieben von Atout France (Agence de développement touristique de la France), die die Qualität der Touristenangebote überwacht und für eine Dauer von 3 Jahren vergeben. Es dient als Mehrwert und Übersicht zur Planung eines touristischen Angebotes mit Top-Leistungen.

Seit 2014 wurde dieses Qualitätslabel den Weinanbaugebieten Minervois, Saint-Chinian, Faugères und Haut Languedoc verliehen. In Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Tourismusverband der Anbaugebiete werden die Weine, die Winzer und ihre Weindomänen mit Unterkunft und touristischen Veranstaltungen beworben und vermarktet.

So kam in diesem Frühjahr eine erfolgreiche Begegnung mit dem Office de Tourisme du Canal du Midi à Saint-Chinian (www.tourismecanaldumidi.fr) und dem Syndicat du Cru AOC Saint-Chinian  (www.saint-chinian.com) zustande.  Auf Einladung der beiden Verbände, wurde uns ein detailliertes Verkostungsprogramm offeriert, welches wir innerhalb von 3 Tagen genießen und erkunden durften. Entsprechend dem Themengesuch „Winzerinnen des Jahres“ wurde der 8. März zum 100%tigen Anlass gewählt die Frauen im Weingeschehen zusammen zu führen.

Das Weinanbaugebiet Saint-Chinian befindet sich im Nordwesten von Béziers im Département de l’Hérault, am Fuße des Massif du Caroux und Massif de l’Espinouse, zwischen der AOC Faugères und AOC Minervois. Es ist das viert größte Weinanbaugebiet im Languedoc und seit 1982 als ausgewiesene AOC anerkannt, dem 20 Gemeinden unterliegen. Vorwiegend werden Rotweine produziert (80% Rot-, 10% Rosé-, 1% Weißweine) aus den Sorten Grenache Noir, Carignan, Syrah, Mourvèdre und Cinsault. Ab 2004 kommen 2 weitere anerkannte Einzellagen hinzu: Saint-Chinian Berlou und Saint-Chinian Roquebrun im Norden der Appellation, sowie die weißen Traubensorten wurden zugelassen: Grenache Blanc, Marsanne, Roussanne, Vermentino, Viognier, Clairette, Carignan Blanc, Bourloulenc, Maccabeu.

Die Dualität der Weine von deren Böden sie entstammen wird sehr verständlich und auf eine poetische Art durch das Syndicat du Cru vermarktet. Mi-schiste et Mi-calcaire, halb Schiefer und halb Kalk, die Gegensätze widerspiegelnd, bewirtschaften etwas mehr als 300 Winzer die kontrastreichen Böden um dem Wein seine Individualität zu verleihen.

Nelly Belot, Direktorin des Syndicat du Cru und Gaylord Burguière, Verantwortlicher für Kommunikation und Marketing, informieren fast wissenschaftlich über Gesteinsformation, Wettereinfluss und Bodenbeschaffenheit, so wird die Geschmacksvielfalt der Weine und deren Nuancen deutlich verständlich erörtert. „Die wahre Schatzkammer unserer Winzer“ erläutern sie mit aussagekräftigen Beispielen, „ist eine vielfältige geologische Mixtur unserer Böden, die sogar Wissenschaftler aus aller Welt herbei führt um dieses Phänomen zu erkunden“.

Im Norden mit Berlou und Roquebrun als Einzellagen, besteht der Boden aus Schieferblättern und Sandstein. Dieser Boden ist säurehaltig und speichert kaum Wasser. Die Reben sind einer großen Hitze ausgesetzt und müssen eine lange Durststrecke verkraften. Sie wurzeln tief um die Mineralien im Gestein zu finden und erwachsen aus ihrer Kraft, die sie aufwenden um den Trauben genügend Nährwerte abzuliefern. Hier entstehen ausdruckvolle Weine, dunkelrot durchtränkt (geboren aus den kräftigen Sorten Syrah, Grenache Noir, Mourvèdre) mit einer komplexen Aromen-Vielfalt von roten Früchten bis hin zu gerösteten Aromen, dennoch rund, weich und füllig.

Das südliche Anbaugebiet der AOC Saint-Chinian mit seinen Ablagerungen von Kalkgestein und Ton Böden, die in großen Felsformationen verlaufen, die sogenannten „combes“, liefert vollmundige, strukturierte, körperreiche Rotweine, nach Kräuteraromen duftend, gleichzeitig fruchtig und würzig im Geschmack. Die Weißweine haben uns überrascht mit ihrem blumigen Bukett und mit ihrer Frische, obwohl sie gerne im Holzfass oder Tonkrügen ausgebaut werden.

Um dem Verkostungsthema „Winzerinnen des Jahres“ gerecht zu werden, haben wir Weine von verschiedenen Weindomänen aus den unterschiedlichsten Böden der AOC Saint-Chinian verköstigt, die die leitende Hand ihrer Verwalterinnen zum Ausdruck bringen.

Im Schulungsraum des Syndicat du Cru präsentiert uns Elisabeth Poux, die mit ihrer Schwester die Domaine Pech Ménel in alt-bewerter Tradition bewirtschaftet, einen Gesamteindruck von Bio und Ziel zur Erhaltung der Artenvielfalt von Fauna und Flora. Die Weinparzellen gedeihen im südlichen Teil der Saint-Chinian Appellation auf vielschichtigen Böden. Elisabeth erklärt sehr wortgewandt und lebhaft zum Verständnis aller die Wichtigkeit der verschiedenen Böden. Der Vorteil von kalkhaltigen Parzellen ist die natürliche Wasserspeicherung. Der eisenhaltige Ton-Boden funktioniert wie ein saugender Schwamm und ist ein natürliches Auffangbecken für Wasser. Die steinbedeckten Böden regulieren die Verdunstung und sorgen bei Hitze für Kühle und Frische. Die Weine von Pech Ménel kann man beschreiben als kräftig und elegant, mit einem gesunden Gerüst und einzigartiger Typizität, charakteristisch und edel, vornehm und fein – wie ein Abbild ihrer Laudatorin.

Magali Quartironi von der Domaine Pradels-Quartironi empfängt uns auf 300m Höhe in ihrem Weinberg, der mit alten Carignan-Rebstöcken bestückt und auf Schieferboden terrassiert in Hanglage süd-östlich ausgerichtet ist. Wir spüren ihre Hingabe an diesem sonnigen Frühlingstag und sind voller Bewunderung für ihren Fleiß und das atemberaubende Panorama über die Bergkuppeln, die die Sicht bei wolkenlosem Himmel frei gibt auf Béziers, der ältesten Stadt Frankreichs. Bio-Kultivierung seit 2012 bearbeitet Magali mit ihrem Bruder insgesamt 16ha meist in Handarbeit alte Carignan-Rebstöcke, Grenache Noir, Syrah, Mourvèdre und Cinsault. Für die Weißweine werden Grenache Blanc, Carignan Blanc und Roussanne vinifiziert. Magali ist sich der exponierten Lage ihres Weinbergs sehr bewusst, der mit seinem Schieferanteil fein-aromatische Weine hervorbringt, die eine subtile Würzigkeit und Frische in sich tragen.

Die Bio-Weine der Domaine des Mathurins, die auf Kalk-Lehm-Boden gedeihen, wurden uns passend zu einem Menü serviert. Es war spannend die füllige Fruchtpräsenz der Weine in einer eleganten Aromen-Steigerung mit der traditionellen Küche schmackhaft auf den Punkt zu bringen. Bei einem späteren Treffen mit Emilie Pistre, die eigentlich Musiklehrerin ist, erfuhr ich wie die Namensgebung der verschiedenen Cuvées zustande kommt. Leidenschaft für Musik, gepaart mit Leidenschaft für Bio-Weinanbau gibt den Takt an in dieser Kellerei. Kulturelle Events im Laufe des Jahres finden gewöhnlich statt in Kombination eines Konzertes und einer Weinverkostung. Ich darf mich schon auf eine nächste Veranstaltung freuen – auf einen Kuchen, der aus den Zutaten der Mathurins Weine entsteht.

Die Cave Coopérative de Saint-Chinian besteht seit 1937 und ist der größte Anbieter von Saint-Chinian Weinen. Über 170 Mitglieder, die 650 Hektar bewirtschaften, beliefern die Kooperative mit Traubengut. Mit „L’Art en Cave“ ist den Verantwortlichen ein großartiges Konzept gelungen, das bei Groß und Klein gut ankommt. Bekannte Künstler werden eingeladen eine Fassade der 6,5m hohen und 3,5m breiten Beton-Tanks, in dem Wein ausgebaut wird, mit einem Meisterwerk zu zieren. Der Aufenthalt der Künstler in Saint-Chinian kann sich bis zu mehreren Wochen hinziehen. Zeit genug eine kleine Assemblage mit dem Kellermeister abzustimmen. Ein Auszug des gefertigten Kunstwerkes dient zur Etikettenvorlage für die limitierte Auflage des Künstler-Cuvées. 2019 beherbergte die Kooperative eines ihrer berühmtesten Artistin, Laura Chaplin, die aus der Schweiz anreiste und ihre Handschrift in Farben und im Wein hinterließ.

Die junge Kellereimeisterin Stéphanie Cave, aus der Côtes du Rhône stammend mit Auslanderfahrung in Weingütern in Australien, Argentinien und Süd-Afrika, arbeitet seit 2017 im Weingut von Château Castigno in der südlichen Saint-Chinian Appellation. Hier in diesem 34 Hektar großen Bio-Weingut kann sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Die moderne Kellerei ist ein wahres Kunstwerk, sowohl von außen als auch von innen. Völlig bedeckt von portugiesischem Kork über eine 1.500 m2 Fläche, von oben gesehen als riesengroße Weinflasche zu erkennen. Stéphanie fühlt sich glücklich in dieser Seelenruhe, umgeben von 80 Jahren alten Syrah-Reben und nur mit 2 Pferden wird der Lehm-Kalk-Boden aufgelockert. Die Weine aus Einzelparzellen werden in hochmodernen ovalen Beton-Tanks ausgebaut und mit klassischer Musik in ihren Reifungsprozess begleitet.

In einem etwas verschlafenen Weiler im Hameau de Castelbouze hat Marie Rouanet vor Kurzem ihr kleines Wineshop eröffnet, direkt neben dem Familienhaus der Domaine Saint-Cels. Marie war 25 Jahre in der Pharma-Industrie tätig, bevor sie nach erfolgreicher Umschulung Winzerin wurde. Dank ihrem kommerziellen Denken und ihrem Ehrgeiz entwickelt sie mit ihrem Mann neue Wein-Cuvées mit innovativen Etiketten. Marie legt viel Wert auf die Zusammengestaltung der neuen Weinlinien mit ihrem Mann, denn sie sagt: „Jeder von uns hat seine Aufgaben, der eine im Weinberg und Kellerei, der andere kümmert sich um den Vertrieb der Weine. Aber unsere gemeinsame Spielwiese ist die Gestaltung der Cuvées, denn die Weine drücken unser Potential aus“. Marie mit ihrem kommunikativen Sinn möchte die AOC Saint-Chinian Weine voranbringen und international interessant und hoffähig machen. Sie ist sich bewusst, dass in den Weinen von Saint-Chinian viel Potential steckt, und die Qualität in den vergangenen Jahren stets steigt. „Man muss effizient die Entwicklung weiterverfolgen, modern denken, jedoch authentisch bleiben. Für uns ist Bio auch ein treibender Punkt und die Informationen an die Konsumenten müssen verständlich bleiben. Daher ist uns der persönliche Kundenkontakt sehr wichtig und mit dem kleinen Wineshop können wir Kunden empfangen und mit ihnen unsere Weine verköstigen“.

Empfehlung 1: Wenn Sie die Domaine Saint-Cels besuchen möchten, empfehlen wir Ihnen das Hameau über die D177 von Cruzy kommend aufzusuchen. Nach einigen Kurven ins Tal hinunter schlängelnd, können Sie auf die D177/E11 am Aussichtpunkt Tudery auf die gigantische Felsformation blicken, die sogenannte „combe longue“.

Empfehlung 2: Au Moulin du Martinet: renovierte Fremdenzimmer in einer alten Mühle (nur 10 Min. Fußweg entfernt vom Maison du Vin Saint-Chinian), in einer idyllischen Umgebung sich dem Bachrauschen hingeben und einfach aus dem Alltag austreten. Elisa und Clément Recoquillon empfangen Sie sehr herzlich mit ihrem kleinen quirligen Sohn Ange. Ein reichhaltiges Frühstück mit hausgemachten Delikatessen und eine gut bürgerliche Küche wird Ihnen serviert. Email:aumoulindumartinet@gmail.com

Nachwort: Wir danken dem Office de Tourisme du Canal du Midi à Saint-Chinian und dem Syndicat du Cru AOC Saint-Chinian für die perfekte Organisation unserer Entdeckungsreise.

Kontaktdaten:

Malena LUDWIG, die auch deutsch spricht, berät Sie gerne rund um ein persönlich konzipiertes Ausflugziel in Saint-Chinian und auf dem Canal du Midi. Email: boutique@tourismecanaldumidi.fr

Gaylord Burguière, Communication & Marketing Syndicat du Cru AOC Saint-Chinian Email : communication@saint-chinian.com

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